Dominikanische Republik – Von der Neue Welt Kolonie zum Massentourismus

Im Jahr 1492 setzte Kolumbus zum ersten Mal seinen Fuß auf die westindische Insel und gründete dort die erste spanische Kolonie in der Neuen Welt, indem er aus den Überresten der aufgelaufenen Santa Maria eine spanische Festung erbaute – La Navidad. Der Name dieser Kolonie des spanischen Königreichs war La Isla Española oder Hispaniola.

Das Land ist nicht sehr heiß und in jeder Hinsicht unbeschreiblich gut. Überall sieht man Felder und Täler… In ganz Kastilien gibt es kein Land, das mit dieser Gegend an Schönheit und Fruchtbarkeit vergleichbar wäre.

Genau 200 Jahre später: Nach der Französischen Revolution wurden 1792 im französischen Teil des Eilandes schließlich die Sklaven freigelassen, und der ehemalige Leibeigene Jean-Jacques Dessalines errichtete die erste schwarze Republik Amerikas, die sich jedoch rasch in eine Diktatur verwandelte. Es war nicht die erste Diktatur auf der Insel, und es blieb auch nicht die letzte.

Im 20. Jh. führten die beiden Diktatoren Papa und Baby Doc Haiti zu trauriger Berühmtheit; Trujillo tat auf der dominikanischen Seite der Insel dasselbe. Die demokratisch gewählte Regierung von Père Aristide wurde nach wenigen Monaten mit einem Militärputsch gestürzt, und Abertausende von Haitianern flüchteten über das Meer nach Cuba und in den Süden der USA. Das von den USA gegen die Militärregierung verhängte Embargo machte die vom Schwarzmarkt profitierenden reichen Haitianer noch reicher und die Armen noch ärmer. Heutzutage liegt die einst auf Haiti florierende Tourismusindustrie nahezu am Boden, während die früher als Zuckerstaat vegetierende Dominikanische Republik ein Tourismusmagnet geworden ist – die Rollen haben sich vertauscht. Trotzdem lohnt auch ein Besuch in Haiti der ehemaligen »Perle der Antillen«.

Um die von Kolumbus und vielen Reisenden gerühmte Schönheit des Landes über das 20. Jh. hinaus zu erhalten, hat die Dominikanische Republik eine Reihe von Gesetzen erlassen, wie z. B. das Verbot, Bäume zu fällen, und die Vorschrift, Häuser und Hotels nicht über Palmenhöhe zu bauen – man versucht, die Fehler der ersten Jahre des Tourismus-Booms nicht zu wiederholen.

 

Tourismus Strand der Dominikanischen Republik

Hispaniola und die Dominikanische Republik als Tourismus Ziel

 

Noch vor gut zehn Jahren war die Dominikanische Republik touristisches Neuland und weitgehend unerschlossen, heute taucht sie in jedem Katalog auf und kämpft gegen den Ruf, ein billiges Massenreiseziel zu sein, an dem lediglich die Strände interessant sind. Tatsächlich ist der Tourismus neben der Landwirtschaft mittlerweile die Haupteinnahmequelle des Landes; die Küsten des subtropischen Paradieses locken rund 600.000 Touristen pro Jahr allein aus Deutschland in die Dominikanische Republik, insgesamt machen rund 2 Mio. Menschen alljährlich hier Bilderbuchurlaub unter Palmen. Doch trotz der vielen Hotelbetten ist die Insel durchaus nicht zugebaut oder gar von Touristen überschwemmt. Die meisten Urlauber halten sich in den komfortablen all-inclusive-Resorts an der Nordküste und im Osten der Insel auf, wo die Strände von Punta Cana karibisches »Badewannengefühl« versprechen (und einhalten). Der Traum vom Garten Eden wird hier Wirklichkeit, inklusive Drinks, Animation, Rundum-Service und abgezählter Badetücher für den Strand.

Hispaniola ist übrigens auch die Insel mit den meisten Namen: Die Indianer nannten sie Aytí (Bergiges Land) oder Quisqueya; als französische Kolonie nannte man sie Saint Domingue; unter den Spaniern hieß sie zeitweise Santo Domingo und seit der Unabhängigkeit Dominikanische Republik. Der häßlichste Name ist das im Katalogjargon übliche Kürzel »DomRep« – dann schon lieber die Kurzform »Dominicana«. Doch wie immer man das Land nennt: Wenn man die Touristenghettos verläßt und sich für die Kultur, die Geschichte oder die vielfältigen Schönheiten des Landes interessiert, wird man auch den herzlichen und gastfreundlichen Bewohnern begegnen.

Doch wer nur in den Tourismusreservaten bleibt, wird von den Schönheiten des Landes wenig sehen und von der Richtigkeit des Karibik-Klischees überzeugt sein. Dabei hat die Insel entschieden mehr zu bieten als Katalog-Idylle.

Wilde Natur in der Dominikanischen Republik

Zur karibischen Lebensfreude gehört vor allem die Musik; der Merengue ist eine Art musikalisches Markenzeichen der Dominikanischen Republik geworden, ein allgegenwärtiges, akustisches Lebenselixier. Ursprünglich ein Modetanz der Salons des 19. Jh., wanderte er schnell auf die Straßen und wurde zum musikalischen Sprachrohr der Vorstädte. Heute schallen rasend schnelle oder verführerisch schmalzige Merengues aus den Lautsprechern an Swimming-Pools, in Geschäften, Restaurants und Kneipen sowie aus Ghettoblustern nachts an der Uferpromenade von Santo Domingo – kaum jemand kann sich dem Charme der erotischen Hüftschwünge entziehen… Besonders gilt das für den traditionellen Karneval im Februar und August, wenn Hunderte von dämonisch maskierten Teufeln durch die Straßen tanzen und springen und ganze Stadtviertel zur Bühne für ein farbenprächtiges und lautstarkes Spektakel werden, in das Touristen ohne weiteres integriert werden.